Freitag, 23. Jänner 2026, von 14:00 bis 15:30 Uhr, Graben/Ecke Kohlmarkt, 1010 Wien
DAS LEID DER MENSCHEN IN GAZA NIMMT KEIN ENDE – VÖLKERMORD HAT VIELE FORMEN – UND DIE WELT SCHWEIGT
„Ja, in der Tat. Die USA zerstören die Weltordnung. Und Israel hat das in den letzten zwei Jahren auch getan (..) Die deutschen und anderen europäischen Staats- und Regierungschefs können nicht plötzlich zu der Erkenntnis gelangen, dass die auf Regeln basierende Ordnung am Boden liegt, wenn sie in den letzten zwei Jahren zu ihrem Untergang beigetragen haben (…) Mitschuld, stillschweigende Zustimmung, Beschwichtigung, Schweigen: All das hat seinen Preis. Einen hohen Preis. Und Sie/wir alle werden am Ende dafür bezahlen müssen.“ (Agnes Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International)
Gaza verschwindet aus den Medien, ein Waffenstillstand, der nie einer war, der immer noch täglich von Israel gebrochen wird, keine Hoffnung, keine Perspektive für die Zukunft für die über 2 Millionen Menschen im Gazastreifen!
Realität ist, Israel hat die Waffenruhe seit ihrem Beginn an die tausend Male verletzt. Es gibt „nur mehr“ vereinzelte Bombardierungen in denen Palästinenser verletzt und getötet werden. Doch fast täglich werden auch Menschen willkürlich erschossen, immer mit der gleichen Begründung, es seien Angehörige der Hamas oder eben Terroristen.
Das israelische Militär hat mehr als 53% des Gazastreifens besetzt, faktisch die östlich gelegene Hälfte. Dort wurden noch stehende Gebäude systematisch niedergerissen und dem Erdboden gleichgemacht. Eine vom IDF erklärte Grenze, wird mit wenigen gelben Betonblöcken kaum gekennzeichnet. Wer die „gelbe Linie“ überschreitet, wird erschossen. Das sind Menschen, die zu den Resten ihrer Häuser gelangen wollen, um vielleicht noch etwas von ihrem Besitz zu retten.
Seit Inkrafttreten des Waffenstillstands wurden 463 Menschen getötet, 1.269 verletzt (Stand 16.1.26). Seit 7.Okt.23 wurden über 71.000 Menschen getötet, mehr als 171.000 verletzt.
Noch immer blockiert Israel die Einfuhr von Hilfsgütern. Aufrufe, Hilfsorganisationen uneingeschränkten Zugang zu gewähren, bleiben ungehört. Mehr als 1,5 Millionen Menschen benötigen dringend Unterkünfte. Die fragilen Zelte und notdürftig errichteten Plastikverschläge bieten keinen Schutz vor den winterlichen Wetterverhältnissen. Stürme, Starkregen überschwemmten bereits mehrere Male die Zeltlager, machten tausende Bewohner obdachlos, es gibt etliche Todesopfer (7Babys sind bereits erfroren). Dies ist keine Naturkatastrophe, es passiert wegen Israels bewusster Blockierung von Hilfe, die von internationalen NGOs an den Grenzen bereit steht. Allein 10.000 Lastwagenladungen an Hilfsgütern stehen in Jordanien bereit.
600 Lastwägen an Hilfsgütern wären das benötigte Minimum. Bis jetzt sind es rund 200, die Israel täglich passieren lässt. Doch viele dringend benötigte Güter, darunter Notquartiere, Zelte, Planen, Werkzeuge, Medikamente und nahrhafte Lebensmittel, Decken, warme Kleidung, aber auch Schulmaterial etc., werden überhaupt nicht, oder viel zu wenig in den Gazastreifen gelassen. Nach wie vor fehlt es den nur mehr teilweise intakten Spitälern und Gesundheitseinrichtungen an medizinischem Material, Equipment, Medikamenten. Ärzte sprechen bereits von einem Diagnose-Kollaps, weil es an den Geräten für Untersuchungen fehlt. Das medizinische Personal ist vollkommen überfordert. Viele davon befinden sich noch größtenteils ohne Anklage in den israelischen Foltergefängnissen. Ausländischen Ärzten (wie auch Journalisten) werden Einreisevisa durch Israel vermehrt verweigert. Nachbehandlungen von Verletzten, Amputierten, Therapien, Traumatherapien können kaum angeboten werden. Mehr als 6.000 amputierte Fälle, 25% davon Kinder, warten auf Prothesen, Rehabilitationsprogramme etc.
Die notdürftig funktionierenden Zeltschulen sind ein Anfang, können den Bedarf aber noch nicht decken. Für viele Kinder könnte der Unterricht ein kleiner Ersatz für eine Traumatherapie sein.
Seit Jänner 2026 verbietet Israel 37 internationalen Hilfsorganisationen (darunter „Ärzte ohne Grenzen“) ihre Arbeit in Gaza, diese haben innerhalb von 60 Tagen Gaza zu verlassen. Experten sagen, das Verbot würde zu einem katastrophalen Zusammenbruch der humanitären Dienste führen. Gemäß dem 20-Punkte-Waffenstillstands-Abkommen, wäre Israel verpflichtet, umfassende Hilfe unverzüglich nach Gaza zu schicken.
West Bank und Ostjerusalem
Die Angriffe von Siedlern und die Abrisse von Gebäuden, die Zerstörung von Olivenhainen, Feldern, die Vertreibung der Menschen aus ihren Dörfern in der West Bank und Ostjerusalem nehmen immer mehr zu; ebenso die Überfälle, Razzien des israelischen Militärs auf Flüchtlingslager. Parallel dazu werden neue jüdische Siedlungen bewilligt und errichtet. Die Illegale Annexion der West Bank ist voll im Gange. Seit Oktober 2023 haben israelische Streitkräfte und Siedler mehr als 1.000 Palästinenser*innen im Westjordanland getötet, 217 davon waren Kinder und Jugendliche. Die Täter, seien es Soldaten oder Siedler, genießen durch das israelische Rechts- und Strafverfolgungssystem vollständige Straffreiheit – niemand, weder Soldaten noch Siedler, wurden bzw. werden strafrechtlich verfolgt.
Die Internationale Gemeinschaft, die USA, die EU, und auch die österreichische Regierung müssen endlich ihre Verantwortung für den Schutz der palästinensischen Menschen wahrnehmen!
Wir fordern:
– Sofortige Suspendierung des EU-ISRAEL ASSOZIIERUNGSABKOMMENS
– sofortiger Stopp von Waffenlieferungen und militärischer Hilfe an Israel
– Dauerhaften Waffenstillstand; sofortigen Wiederaufbau und Entschädigungen
– ein Ende des Völkermords in Gaza; ein Ende der Kolonisierung, Besatzung und Apartheid
– Rücknahme des Verbots für internationale Hilfsorganisationen in Gaza tätig zu sein
– Ein Ende von Israels Straffreiheit – Sanktionen gegen die israelische Regierung
– Das Recht des palästinensischen Volkes auf Selbstbestimmung – Gerechtigkeit,
Gleichberechtigung, Freiheit – Anerkennung des Staates Palästina
