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Leserinnenbriefe zum Essay von Ute Liepold 7.11.20 in der Kleinen Zeitung


9. November 2020

Guten Tag,

mit Entsetzen las ich den Essay von Ute Liepold. Darin brandmarkt sie ganze Völker, konkret PalästinenserInnen und TschetschenInnen als Terroristen. Das ist billigste Hetze, möglicherweise sogar strafbar, jedenfalls einer Universitätslehrenden unwürdig. Auch dürfte sie sehr veralteten Geschlechtertheorien anhängen. Sie unterstellt Männern pauschal, sich in Ideologien von Gut und Böse zu flüchten und spricht Frauen einen selbstständigen Handlungswillen ab. Der Artikel ist voller Ressentiments und undifferenzierter Vereinfachungen. So etwas sollte in der Kleinen Zeitung keinen Platz haben.

Roswitha Al-Hussein, 8020 Graz


Frau Liepold bezeichnet auf schockierende und unverantwortliche Weise ganze Völker als Terroristen, indem sie ´Palästinenser und Tschetschenen´ mit ´terroristischen Gruppierungen wie Neonazis, Jihadisten, Salafisten und andere´ gleichsetzt.  Frau Liepold stempelt damit im Falle von Palästina 8 Millionen Menschen als TerroristInnen ab. Im Gazastreifen und in der von Israel völkerrechtswidrig besetzen Westbank leben fast 5 Millionen PalästinenserInnen, auf der ganzen Welt verstreut leben weitere 2 bis 3 Millionen PalästinenserInnen. Ich finde es sehr erschreckend und einer Zeitung wie der Ihren unwürdig, dass Sie solche stereotypen Anschuldigungen abdrucken.

Christine Hödl, 8020 Graz

 


An Frau Liepold ist der Fortschritt feministischer Forschung vorübergegangen. Oder hält sie ernsthaft an einem Weltbild fest, das Differenzierung und Einbettung in globale ökopolitische Zusammenhänge vermissen lässt?

Wer gesamten Gemeinschaften, „Palästinensern und Tschetschenen“, wie sie schreibt, pauschal Terrorismus unterstellt, hat nicht über Antirassismus nachgedacht. Auch hinsichtlich gesellschaftlich aktiver MuslimInnen fehlt jede Differenzierung. Ganz im Tenor von Kanzler Kurz spricht sie pauschal vom „Politischen Islam“. Der Beitrag ist zudem das Gegenteil von Feminismus, denn die Selbstbestimmtheit von Frauen bleibt völlig ausgeblendet. So schaut kein Angebot für solidarische Vielfalt aus!

Helga Suleiman, 8045 Graz


Seichte Analyse

In ihrer Kritik an der “toxischen Männlichkeit” und denen Neigung zur Gewalt ist Frau Liepold recht zu geben. Aber ihre Analyse des “Phänomens Terror” bleibt eurozentristisch-oberflächlich. Tieferliegende  strukturgeschichtliche Hintergründe eines politisch oder religiös motivierten Terrors  bleiben  unterbelichtet. Ein derartiger Ansatz vermag  auch nicht zu erklären, warum Teilgruppen von Gesellschaften und Religionen zu bestimmten Zeiten fundamentalistische Entwicklungen nehmen und den Ausweg in manifester Gewalt suchen. Die Arroganz des Westens, seine nach wie vor gegebenen global-neokolonialistischen Wirtschaftsstrukturen und militärisch abgesicherten Machtprojektionen werden ausgeblendet. Vollkommen inakzeptabel ist schließlich die völlig undifferenzierte Zuschreibung terroristischer Verhaltensweisen an ganze Völker, wie den Palästinensern und Tschetschenen. So als ob deren oft verzweifelter Widerstand nicht selbst in einer langen Geschichte harter Unterdrückung begründet wäre. Derlei Analysen tragen nichts zur  Lösung an den strukturellen Wurzeln der Probleme bei. Sie sind eher Vorraussetzung für dauerhaften Unfrieden und das Weiterdrehen von Gewaltspiralen.

Franz Sölkner, Thal bei Graz


https://www.kleinezeitung.at/politik/5893734/Maennlichkeit-und-Todeskult_Ute-Liepold_Warum-Maenner-Terror