Ein persönlicher Bericht von Ramez Najjar
Am 8. April wurden Nada und Aida al-Najjar aus Beit Meri im Libanon bei einem israelischen Angriff ermordet. Sie befanden sich in einer Apotheke und sammelten Medikamente für Geflüchtete aus dem Süden des Landes — Menschen, die alles verloren hatten.
Nada war Lehrerin. Sie hatte lange in den USA gelebt, dort unterrichtet, und war zurückgekehrt — in ein Land, das sie liebte. Aida war ebenfalls Lehrerin. Beide waren ihr Leben lang sozial und politisch engagiert. Beide gehörten zu einem Familienzweig, der immer im Widerstand stand — nicht mit Waffen, sondern mit Haltung, Bildung und Solidarität.
Ihr Tod ist kein Einzelfall. Im Libanon wurden in dieser Zeit gezielt auch Krankenwagen und Ersthelfer angegriffen — Menschen, die Leben retten wollten. Diese Angriffe auf die Zivilbevölkerung und auf jene, die ihr helfen, sind kein Versehen. Sie sind Teil eines Musters.
In der österreichischen Presse erscheinen Libanesinnen und Libanesen kaum als Menschen — als Individuen mit Namen, Geschichten, Träumen. Nada und Aida hatten Namen. Sie hatten Geschichten. Sie hatten ein Leben, das anderen galt.
Sie gehören zu meinem weiteren Familienkreis — ich hatte sie nur kurz gekannt, aber ihr Tod trifft mich tief. Ich bin stolz auf sie. Und ich bin untröstlich.
Ich danke euch — für eure Anteilnahme, eure Stimmen, euer Engagement für Menschen in Ländern, die viele von euch nie gesehen haben. Das trägt.
Nada und Aida waren solche Menschen. Ihr Leben verdient es, erinnert zu werden.
Ramez Najjar, Wien
Mitglied des Organisationskomitees von Song Protest
