Angesichts des Spiels von Beitar Jerusalem gegen Austria Wien am 13.8. fanden sich bei der von der Initiative Palästinasolidarität organisierter Kundgebung gegen die Anwesenheit des Clubs, dessen Fans sich selbst als „rassistischter Verein Israels“ bezeichnen, mehr als 100 Aktivist:innen unterschiedlicher Organisationen am Reumannplatz ein. Der Refrain ihres Fanlieds, „Ihre Dörfer sollen brennen – wir hassen alle Araber“, war bereits um 17:00 am Schwedenplatz, wo sich die Beitar Jerusalem Fans sammelten, zu hören. Ein Spruch, der als solches bereits den Tatbestand der Verhetzung erfüllt.

Die Protestierenden fragten die Verantwortlichen zum einen, warum ein Verein, der für seinen Rassismus und seine Gewaltbereitschaft bekannt ist und deshalb bereits mit Strafen belegt wurde, nach Wien einreisen darf. Es ist europaweit üblich, gewaltbereite Hooligans mit Einreiseverboten zu belegen. Die Fans von Beitar Jerusalem konnten jedoch ungehindert reisen und erhielten dafür sogar Polizeischutz. Eine Beobachtung, die das positive Verhältnis des österreichischen Staats zu den radikalen Siedler:innen, die Beitar Jerusalem u.a. repräsentiert, unterstreicht, ist etwa, dass in einem Polizeiauto, welches die Kundgebung überwachte, ein Polizist mit einem israelischen Emblem auf dem Handy saß. (Oder waren es direkt ein Mitarbeiter israelischer Repressionsagenturen?)

Diese Zusammenarbeit zeigt, wie das mediale Narrativ in Österreich geframt wird, wenn israelische, gewaltbereite Hooligans und Soldat:innen, die aktiv am Völkermord beteiligt sind, nach Österreich reisen. Anstatt wie üblich gegen Gewalt durch die Hooligans vorzugehen, wurde bereits im Vorfeld vor „Antisemitismus“ gewarnt und die friedliche Demonstration in Favoriten, die Anrainer:innen – insbesondere Menschen, die von dem Rassismus der Beitar-Fans potenziell betroffen sind – auch einen sicheren Hafen vor dem Mob der Beitar-Jerusalem-Fans bieten wollte, als gewalttätig geframt.

Während der Kundgebung meldeten sich unterschiedliche Aktivist:innen und Vertreter:innen von Organisationen zu Wort. Sie sprachen sich für den Ausschluss Israels aus der UEFA aus und brachten eindeutig zum Ausdruck, dass Völkermörder und Rassismus in Wien nicht willkommen sind. Auch musikalische Beiträge, die den gemeinsamen Widerstand gegen Besatzung, Gewalt und Völkermord besangen, sowie internationale Solidaritätslieder wurden gesungen.

Die Protestierenden forderten zudem von der Polizei und der Stadtverwaltung, Verantwortung für die Sicherheit der Bewohner:innen in Favoriten zu übernehmen. Das passierte nicht in gebührlicher Weise.

Während die Ultras von La Familia unter den Rufen „Fuck you, Palestine“ durch Wien patrouillierten und Menschen attackierten, kontrollierte die Polizei jene, die die Übergriffe der gewalttätigen Hooligans dokumentierten.

Die Konsolidierung der pro-palästinensischen Kräfte am Reumannplatz, die angesichts der Sommermonate als Erfolg zu sehen ist, regt auch dazu an, darüber zu reflektieren, wie angesichts des staatlich vorherrschenden pro-israelischen Diskurses und wenn mit Gewalt zu rechnen ist, die Mobilisierung angelegt werden können, damit Protestierende sich nicht in Gefahr begeben. Separate Aufrufe, die Aktivist:innen potenziell in Gefahr bringen, wie jener, der im Internet kursierte und direkt zum Stadion mobilisierte, sind dafür nicht hilfreich.

Gegen die Beitar Fankurve wurde eine Anzeige wegen Verhetzung eingebracht. Wir sind gespannt, wie die Justiz verfahren wird. Und ist die Polizei ihrer Pflicht nachgekommen, die Personalien der israelischen Schläger zu dokumentieren?

Der Aufruf zur Demo!

Fotos: ©www.BergWolf.Photography