Der folgende Artikel stammt aus der Zeitung der Arbeit (ZdA)

Die Eröffnung der Salzburger Festspiele wurde im vergangenen Jahr von einem gelungenen Protest überschattet. Aktivistinnen und Aktivisten machten auf den anhaltenden Völkermord in Gaza aufmerksam und unterbrachen die Rede von Vizekanzler Andreas Babler. Ein Jahr später hat der bürgerliche Kulturbetrieb Salzburgs wieder festen Boden unter den Füßen. Das enge Verhältnis von staatstragender Kultur und Propaganda stützt sich in der Mozartstadt auf eine lange Tradition.

Salzburg. „Manche gleichen den Rufen Kassandras, sie warnen und mahnen, doch keiner hört ihnen zu“, diese Worte sprach SPÖ-Vizekanzler Andreas Babler in seiner Rede bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele 2025, kurz bevor er durch den Protest palästinasolidarischer Aktivistinnen und Aktivisten unterbrochen wurde. Die Störaktion sorgte für komödiantische, zugleich aber politisch wirkungsvolle Szenen, die die Aufführungen überschatteten. Die Aktion machte gekonnt auf die Mittäterschaft der österreichischen Politikereliten an Israels Völkermord aufmerksam und erzeugte ein bis dahin beispielloses mediales Echo.

Bis heute wirkt der Protest nach. Bei der diesjährigen Eröffnung setzte die Polizei auf ein Großaufgebot samt Drohnenabwehr und die Festspiele versicherten, mögliche Sicherheitslücken zu schließen. Auch das mediale Interesse dreht sich vor allem um die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass sechs Personen in der Lage waren, den bürgerlichen Salzburger Kulturbetrieb aus den Bahnen zu werfen. Ein Jahr später findet Palästina dabei nur noch am Rande Erwähnung, die Salzburger Festspiele sind zum Business as usual zurückgekehrt. 

Unbequeme Wahrheit

Drei der sechs Aktivistinnen und Aktivisten brachten Banner in den Arkaden der historischen Felsenreitschule an, zwei weitere stürmten die Bühne. Neben „Stoppt den Völkermord“ und „Stoppt die Waffe Hunger“ war auf den Transparenten auch „V.d.B bricht dein Schweigen“ zu lesen, ein Bezug auf die israelsolidarische Haltung von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Insbesondere die scharfe Kritik an seiner politischen Linie fand erstaunlich wenig Beachtung. Van der Bellen wird zum ruhigen und besonnen Vater der Nation stilisiert. Sein Schweigen gegenüber den israelischen Verbrechen und sein friedensfeindlicher EU-Nationalismus werden in den bürgerlichen Medien nicht hinterfragt. Auch in diesem Jahr handelte es sich bei seiner Festspielrede um eine Ode auf die „liberale Demokratie“ und die Europäische Union, während in Gaza, im Westjordanland, im Libanon und im Iran unzählige Zivilistinnen und Zivilisten durch die Bomben der „einzigen liberalen Demokratie des Nahen Ostens“ sterben, finanziert durch die EU.

Ähnliches gilt für Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler. Er steht wie kein anderer für den Bankrott der Sozialdemokratie, die an vorderster Front die Aufrüstungs- und Militarisierungsbestrebungen der österreichischen Bundesregierung organisiert. Babler, dessen Rede durch den Protest unterbrochen wurde, bot den Aktivistinnen und Aktivisten noch während seines Auftritts ein persönliches Gespräch an. Über den Kurznachrichtendienst X bekräftigte er dieses Angebot wenig später. Doch aus dem Gespräch wurde nichts. Auf Nachfrage stellte der Sozialdemokrat klar: So direkt dürfe man sein Angebot nicht verstehen. Es ginge ihm um Gespräche mit NGOs und Ärzten aus Gaza. Eine weitere Luftnummer des Herrn Babler also, inszeniert, um medial gut dazustehen.